Der Prozeß
Die Shoah hatte ihren Höhepunkt zwischen 1941 und 1943. Die sogenannte „Aktion Reinhard“, die im Frühjahr 1942 begann, bedeutete die massenhafte Tötung der jüdischen Bevölkerung Ost- und Westeuropas in drei Lagern, deren Zweck ausschließlich darin bestand, die ankommenden Menschen in Gaskammern umzubringen. Der Name dieser drei Stätten lautet Belzec, Sobibor und Treblinka. Alle drei Orte liegen im heutigen Polen.
Über die Zahl der dort zu Tode gekommenen Menschen gibt es keine sicheren Angaben, weil – im Gegensatz zu der Gestapo-Bürokratie in den Konzentrationslagern – in diesen Lagern kaum Akten angelegt wurden und auch keine Zählungen stattfanden. Diese Lager waren ausschließlich auf die Vernichtung von jüdischen Menschen angelegt. Die Schätzungen sind deswegen vage und bewegen sich mit einer Unschärfe, die im Zehntausender-Bereich liegt. Für Sobibor nimmt man eine Zahl von Zweihundertfünfzigtausend Menschen an, die dort ihr Leben verloren haben. Bei den anderen beiden Lagern sind es deutlich mehr. Ende 1943 existierte keines der drei Lager mehr; in Treblinka und Sobibor hatte es im gleichen Jahr Aufstände gegeben, bei denen es insgesamt etwa einhundertzwanzig Lagerinsassen gelungen ist zu flüchten.
Nach Sobibor wurden viele Deportationszüge aus Westeuropa geschickt. Die Route der Deportationszüge aus den Niederlanden verlief über Bremen.
Das Lagerpersonal setzte sich aus Angehörigen der SS, der Polizei und ukrainischen Hilfstruppen, den sogenannten Trawnikis, zusammen. Ihre Zahl belief sich, was SS- und Polizeiangehörige betrifft, aus offenbar deutlich weniger als 50, bei den Trawniki-Männern auf etwa 120 Personen je Lager.
Die SS- und Polizeiangehörigen hatten überwiegend schon bei der sogenannten Euthanasie in den deutschen Mordanstalten mitgewirkt.
Der Name der sogenannten Trawniki-Männer kommt daher, dass diese Leute für ihre bevorstehenden Aufgaben in einem Ort mit dem Namen Trawniki von der SS ausgebildet worden sind. Diese Trawniki-Männer waren ehemalige Angehörige der Roten Armee, darunter viele Ukrainer, die sich in deutschen Kriegsgefangenenlagern freiwillig gemeldet hatten. Die Deutschen nutzten dabei neben der absolut katastrophalen Situation, in der sich die sowjetischen Kriegsgefangenen befunden haben auch den Nationalismus der Ukrainer, die sich in einem starken Gegensatz zur Sowjetunion ausdrückte. Die Trawnikis waren Parias und standen in der Hierarchie deutlich unter den SS- und Polizeiangehörigen. Neben ihrer Tätigkeit in den drei Vernichtungslagern wurden sie auch bei den sogenannten Ghettoräumungen in Polen und wohl auch in der Sowjetunion eingesetzt. Nachdem die Vernichtungslager aufgelöst worden waren, wurden sie zum Teil in die Konzentrationslager versetzt und dort möglicherweise in die SS übernommen.

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